Stracheldraht

Die deutsch-niederländische Grenze bei Pannesheide unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg (Stadtarchiv Herzogenrath)

Wirkungsvolle Sperrmaßnahmen verhinderten im I. Weltkrieg den unbefugten Wechsel insbesondere aus dem besetzten Belgien in Richtung Niederlande.
Erstmals gab es auch in der Neustraße einen hohen Stacheldrahtzaun, der vom deutschen Heer unmittelbar vor der Grenze errichtet wurde.
Trotz des Stacheldrahtes blühte der Schmuggel aufgrund des sich entwickelnden Mangels an Nahrungsmitteln im Deutschen Reich.
Die Niederlande demonstrierten ihre Neutralität und unterbanden den Schmuggel, indem sie auf ihrem Gebiet neben dem deutschen Stacheldraht noch einen niederländischen spannten. Nach dem I. Weltkrieg wurden die Zaunabsperrungen von den Bewohnern abgerissen und das Material privat „verarbeitet“.
In der Folgezeit wurde von den einmarschierten Besatzungsmächten die Grenzlinie etwas weiter auf deutsches Gebiet verlegt und dort ein umfangreiches Stacheldrahthindernis errichtet.
Nach Abzug der Besatzung wurde der Zaun erneut von den Anwohnern „verarbeitet“. 1930 wurde die Grenze wieder auf die ursprüngliche Linie verlegt. 1939 errichteten die Nationalsozialisten wieder – etwas abgesetzt von der Grenzlinie – einen hohen Stacheldrahtzaun.
Nach der Befreiung Kerkrades durch die US-Army hing an diesem Zaun auf Höhe des Grenzübergangs Holz eine „Hitlerpuppe“ zur Verspottung, die von Kerkradern aufgehängt worden war.
Stacheldraht samt Pfähle wurde nach dem Krieg wieder von den Anwohnern „verwertet“, um direkt danach erneut durch einen hohen Stacheldrahtzaun ersetzt zu werden, den diesmal das US-Militär auf der Mitte der Straße anbrachte.
Kurz darauf vergrößerten die Niederlande ihr Staatsgebiet um die gesamte Fahrbahnbreite der Neustraße, ausgenommen der Straßenbahnspur. Schließlich fühlten sich die Menschen als Opfer des Krieges!
Der auch dort errichtete hohe Stacheldrahtzaun wurde später durch einen 1,20 m hohen Maschendrahtzaun und in den 1960er Jahren durch ein Leicon-Mäuerchen ersetzt.

Peter Dinninghoff

Arbeiter des RAD bauen 1939 einen Zaun direkt an den Gleisen der Bahn. Im Hintergrund das Kino Jodoko-Lichtspiele (heutige Haus-Nr. 113) (Gemeentearchief Kerkrade)

Im September wurden 100 Mitglieder des Reichsarbeitsdienstes an die Neustraße beordert, um dort einen über 2 Meter hohen Stacheldrahtzaun zu errichten. Der Reichsarbeitsdienst (RAD) war eine NS-Organisation. Männliche Jugendliche im Alter zwischen 18 und 25 Jahren mussten hier einen halbjährlichen Arbeitsdienst absolvieren. In Pannesheide wurden sie auch für den Bau des Westwalls eingesetzt.

Der Zaun wurde auf deutschem Boden gesetzt, direkt an die Gleise. So war die Neustraße, die deutscher Grundbesitz war, nicht mehr für die Herzogenrather zugänglich, aber hierfür war ja die Umgehungsstraße gebaut worden. Die Kerkrader konnten nicht mehr den Bahnanschluss nutzen. Auch das Kino auf der Neustraße, das auch von Kerkradern besucht worden war, war nicht mehr erreichbar.

Rechts das Kino 1930 (Gemeentearchief Kerkrade)

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Zeitzeugenbericht

Zeitzeugen: Ingrid-Wiebeck