Eurode Business Center (EBC)

Beginn der Bautätigkeiten (Stadtarchiv Herzogenrath, Foto: Fotostudio Opreij)

Ein Highlight innerhalb der grenzüberschreitenden wirtschaftlichen Zusammenarbeit in Eurode, ist das gemeinsame Dienstleistungszentrum, das Eurode Business Center (EBC).

1997 wurde im Rahmen der Zusammenarbeit innerhalb von Eurode die Idee geboren, ein grenzüberschreitendes Gebäude zu errichten, in dem – als Ergänzung zum Technologiepark Herzogenrath – alle Arten von Dienstleistungsunternehmen untergebracht werden können.

Durch die regionalen Entwicklungsgesellschaften, die niederländische „N.V. Industriebank LIOF“ und die „Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer“ (AGIT), wurde diese Idee in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde Kerkrade und der Stadt Herzogenrath detailliert ausgearbeitet. Der Mehrwert eines solchen Geschäftszentrums sollte ein Beitrag zur grenzüberschreitenden, wirtschaftlichen Entwicklung und die Möglichkeit der Vernetzung in beiden Kommunen/Ländern sein.

Am 5. Juni 2001 wurde das Gebäude mit 3.630 m2 Geschäftsfläche und 470 m2 Allgemein- und Serviceflächen von den damaligen Ministerpräsidenten der Niederlande und Nordrhein-Westfalens, Wim Kok und Wolfgang Clement, eröffnet.

Richtfest des EBCs am 08.12.2000 (Foto: W. Sevenich)

Da es bereits mehrere Geschäftszentren und Technologieparks auf beiden Seiten der Grenze gab, sollte ein neu zu realisierendes Geschäftszentrum nicht in Konkurrenz zu diesen stehen. Daher wurden die Themen „grenzüberschreitende Dienstleistungen“ und „innovative Entwicklungen“ gewählt. Eine Konzentration solcher Aktivitäten bot die Möglichkeit, ein Pilotprojekt zu verwirklichen, mit dem Ziel, die niederländischen und deutschen Rechtssysteme anzugleichen und zu harmonisieren. Eine Bedingung war, dass dieses Gebäude direkt an der Staatsgrenze gebaut werden musste.

Das EBC sollte sich an folgende Zielgruppen wenden:

  • Allgemeine Dienstleistungen wie Arbeitsvermittlungen, Anwaltskanzleien, Steuerberater, PR- und Marketingunternehmen, Einrichtungen zur Förderung der lokalen und regionalen Kultur, der Freizeitgestaltung und des Tourismus sowie Immobilienunternehmen.
  • Spezifische Dienstleistungen wie grenzüberschreitende Multimedia- und (Tele-) Kommunikationsunternehmen, Einrichtungen für den Technologietransfer zusätzlich zu den bestehenden High-Tech-Innovationszentren, grenzüberschreitende Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen.

Eine weitere wichtige Bedingung für die Ansiedlung des EBCs war, dass städtische Ballungsgebiete mit rund 100.000 Einwohnern auf beiden Seiten der Grenze in geringer Entfernung vorhanden sind. In diesem Zusammenhang ist Eurode als binationale Stadt mit über 90.000 Einwohnern einzigartig in Westeuropa, mit klaren relationalen und funktionalen Zusammenhängen.

Beispiele hierfür sind:

  • Infrastruktur,
  • Arbeitsmarkt, Wohngebiete,
  • Grenzüberschreitende Dienstleistungsangebote,
  • Grenzüberschreitende Naherholung, etc.

Sowohl in sozialer, sozioökonomischer als auch in raum- und städtebaulicher Hinsicht kann man von engen Verflechtungen und intensiven Verbindungen sprechen.

Weitere Standortbedingungen waren die Erreichbarkeit, die verfügbaren Telekommunikationsnetze, die Parkmöglichkeiten und die Möglichkeit eines grenzüberschreitenden Gebäudes mit markantem Aussehen.

Auf der Grundlage einer von der wirtschaftsgeographischen Fakultät der RWTH durchgeführten Standortstudie war ein Standort innerhalb von Eurode in der Nähe der Nieuwstraat/Neustraβe aus den oben genannten Gründen die naheliegende Wahl. Daraufhin bemühten sich die Gemeinde Kerkrade und die Stadt Herzogenrath gemeinsam darum, eine gleichberechtigte Basis für dieses grenzüberschreitende Geschäftszentrum zu realisieren. Dies könnte z.B. den gleichen Flächennutzungsplan, grenzüberschreitende infrastrukturelle Anbindungen, gleiche Adressierung, gleiche Genehmigungserteilung mit intensivem Konditionenvergleich usw. umfassen. Letztendlich wurde der Entwurf des Architekten Paulus aus Herzogenrath realisiert. Dieser Entwurf enthält einige typische Bauelemente wie niederländischen Backstein auf der niederländischen Seite und typisch deutschen Putz auf der deutschen Seite. Um den grenzüberschreitenden Charakter des Gebäudes zu betonen, zeigt der mittlere Teil des Gebäudes, in dem sich die allgemeinen und die Dienstleistungsbereiche befinden, genau das entgegengesetzte Bild.

Der charakteristische deutsche gelbe Briefkasten markiert den deutschen Teil an der Vorderseite und der auffällige niederländische orangefarbene Briefkasten markiert die niederländische Seite des Gebäudes.

Fotos: Zweckverband Eurode

Mit einer nahezu konstanten Belegungsquote von 100 % sind im EBC anno 2023 über 80 kleine Unternehmen angesiedelt und das EBC ist ein Business Hub, in dem grenzüberschreitende wirtschaftliche Aktivitäten im Mittelpunkt stehen und die Vorteile des Grenzstandortes voll genutzt werden können. So haben Unternehmen die Möglichkeit, sich auf der deutschen Seite niederzulassen und eine deutsche Gesellschaftsform (z.B. eine GmbH) zu wählen. Oder man siedelt sich auf der niederländischen Seite an und wählt eine niederländische Rechtsform (z. B. eine BV). Manche Unternehmen haben sich auf beiden Seiten eingemietet und sind so zu zwei juristischen Personen geworden. Auf diese Weise können sie, gerade weil es zwischen Deutschland und den Niederlanden erhebliche Unterschiede z.B. im Arbeits-, Steuer- und Sozialrecht gibt, gezielt länderspezifische Vorteile nutzen.

Lediglich der Umzug innerhalb des Gebäudes von einem Land in ein anderes war leider eine Zeit lang nicht problemlos möglich, da das so genannte Territorialitätsprinzip unter anderem von den verschiedenen Steuerbehörden strikt durchgesetzt wurde. Dies veranlasste Eurode, sich um eine Lösung in diesem Zusammenhang zu bemühen. Diese wurde im Abkommen zwischen den Niederlanden und Deutschland „… zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen und verschiedener anderer Steuern sowie zur Regelung sonstiger Steuerfragen“ (BGBl 2008 Teil II, Nr. 2, S.30) gefunden, das am 1. Mai 2008 in Kraft getreten ist. Diese Verordnung gilt ausdrücklich für das Eurode Business Center und wurde seitdem in das zwischen den beiden Ländern geltende Steuerabkommen aufgenommen und ist integraler Bestandteil desselben. Diese Regelung ermöglicht es Unternehmen, die im EBC ansässig sind, den Hauptteil des Unternehmens (einschließlich Personal und Geschäftsleitung) auf der einen Seite der Grenze und einen kleineren Teil auf der anderen Seite zu haben und dann das Steuerrecht des Landes, in dem sich der Hauptsitz des Unternehmens befindet, auf das gesamte Unternehmen anwenden zu können. Auch hier kann die Bedeutung einer flexiblen Durchsetzung der bestehenden Gesetze für unsere Grenzregionen hervorgehoben werden.

Neben seiner Funktion als grenzüberschreitendes Geschäftszentrum erfüllt das EBC auch andere, nicht unwichtige Zwecke:

  • Es ist zu einem Treffpunkt für alle geworden, die am grenzüberschreitenden Leben, Lernen, Arbeiten und Erholen interessiert sind.                                            Von Würdenträgern wie Ministern, Staatssekretären, Botschaftern, Ministerien bis hin zu Studenten, Schülern und allen, die an der (formellen) Zusammenarbeit der Gemeinde Kerkrade und der Stadt Herzogenrath (Zweckverband Eurode) interessiert sind.

Ein Highlight, auf den sich das EBC freuen konnte, war der Besuch der niederländischen Königin Beatrix, ihres Sohnes, des damaligen Prinzen Willem-Alexander und ihrer Schwiegertochter, der damaligen Prinzessin Màxima, die sich zu dieser Zeit gemeinsam auf einem Staatsbesuch in Deutschland befanden. In diesem Rahmen besuchten sie das EBC am Freitag, den 15. April 2011

  • Darüber hinaus profiliert sich das EBC ab 2010 zunehmend als „europäisches“ Gebäude, in dem grenzüberschreitende Dienstleistungen zunehmend den Charakter des Foyers bestimmen. Zum Beispiel wurde am 7. September 2012 die erste Grenzinformationsstelle (GIP „Aachen-Eurode“) eröffnet, an die man sich bei grenzüberschreitenden Fragen und Problemen zu Renten, Steuern, Sozialversicherung, Gesundheitskosten, Kindergeld, Leben und Studieren im Ausland usw. wenden kann. ( https://www.grenzinfo.eu )
  • Ab dem 1. Juli 2016 wurden die grenzüberschreitenden Dienstleistungen mit der Eröffnung der Grenzüberschreitenden Arbeitsverwaltung (SGA) vervollständigt. Ab 2023 wird SGA den Namen „Border Labour“ (https://www.grenzarbeit.eu ) tragen. Regelmäßig finden „Grenspendlaars-Beratungstage“ statt, bei denen Fachleute verschiedener (staatlicher) Behörden wie Steuer-, Gesundheits-, Sozial- und Rentenbehörden anwesend sind, um – auch anhand der von den Besuchern mitgebrachten Unterlagen und Formulare – den Menschen zu helfen. Außerdem gibt es monatliche Workshops zu den Themen „Arbeiten in Deutschland“ und „Arbeiten in den Niederlanden“, bei denen Einrichtungen wie das UWV und die Bundesagentur für Arbeit (beide Partner von „Grensarbeid“) Informationen für Menschen bereitstellen, die auf der anderen Seite der Grenze arbeiten möchten.
  • Im EBC befindet sich auch das offizielle Sekretariat des Zweckverbandes Eurode ( https://www.eurode.eu ) und direkt neben dem EBC befindet sich die „Freundschaftswiese“. Ein Nachhaltigkeitsprojekt einer deutschen und einer niederländischen Grundschule, bei dem (Obst-)Bäume, Insektenhotels usw. gepflanzt oder gemeinsam angelegt werden und bei dem der Unterricht vor Ort die Kinder für die Natur in ihrer eigenen Umgebung sensibilisieren soll.
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