Gemeinsame Feste

Kerkrader Palmsonntags-Prozession 1950 (Stadtarchiv Herzogenrath)

Nachdem Ende 1914 der erste Grenzzaun auf der Neustraße gesetzt worden war, wurde das gemeinsame Feiern durch politische Verhältnisse erschwert und zeitweise sogar unterbunden.

Im August 1935 beschwerte sich der Herzogenrather Bürgermeister in einem Schreiben an den Aachener Landrat: „Holländische Gesellschaften und Vereine haben in früheren Jahren ihre Feierlichkeiten (Fastnachts-Neujahrsfeiern, Stiftungsfeste usw.) in der Stadt Herzogenrath abgehalten. Weil ich selbst auf Einladung wiederholt solche Festlichkeiten besucht habe, kann ich versichern, dass bei diesen Festlichkeiten ein bedeutender Umsatz in Frage kam. Seit etwa 2 Jahren werden derartige Festlichkeiten überhaupt nicht mehr in Herzogenrath abgehalten. [.…] Dabei ist mir erklärt worden, dass die recht scharfe Grenzkontrolle der Mitglieder der Vereinigung zur Ablehnung der Feier in Herzogenrath veranlasst habe.“ (Stadtarchiv Herzogenrath)

Umzüge, wie z. B. die Palmsonntags-Prozession oder die Karnevalsumzüge wurden nach Kriegsende entlang der Neustraße geführt, damit die Nachbarn trotz der Trennung mitfeiern konnten. Kurz nach dem Krieg wurden diese Umzüge auch genutzt, um Freunden und Verwandten durch den Zaun schnell „etwas“ zuzustecken.

Später fanden auf der Neustraße immer wieder gemeinsame Feierlichkeiten statt, um auf die Problematik der Grenzsituation aufmerksam zu machen:Zum Beispiel am 24. März 1970 die Enthüllung des Kunstwerks „D`r Knub“ mit der Aufschrift „Alle Menschen werden Brüder“ gefeiert wurde. Am 16. September 1989 fand ein grenzüberschreitendes Straßenfest unter dem Motto „Diesseits“ (Kokelestraat/Plattwei) – „Jenseits“ (Josefstraße/Domanialeweg) statt. Organisiert wurde dieses Fest durch Anwohner, die eine Initiative gegründet hatten, um die Grenzabsperrungen endgültig abzuschaffen und die Neustraße zu einer gemeinsamen Wohnstraße umzugestalten.

1991 beschlossen die Gemeinden Kerkrade und Herzogenrath die informelle Zusammenarbeit – „Eurode“ wurde gegründet. Zu diesem Anlass wurde am 13. Juli 1991 an der Ecke Neustraße/Pannesheiderstraat das Denkmal „Der Wächter“ enthüllt und ein Festzelt über die Mauer hinweg mitten auf die Neustraße aufgebaut.

Im Mai 1995 fand dann das größte Fest auf der Neustraße statt, als endlich die umgestaltete Neustraße ohne Grenzbefestigungen offiziell eröffnet wurde.Seitdem werden die „Eurodetage“ als Straßenfeste mitten auf der Neustraße gefeiert.

1991 Festzelt zur „Eurode“-Feier (Foto: Matthias Wolfs)

De Zuid-Limburger 27-02-1952:

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Die Karnevalsumzüge fanden später sonntags in Herzogenrath und montags in Kerkrade statt, so konnte die Bevölkerung beide Umzüge feiern (Matthias Wolfs)

16.09.1989: Straßenfest zur Eröffnung „Diesseits“ (Kokelestraat/Plattewei) – „Jenseits“ (Jozefstraße/Domanialeweg), organisiert von den Anwohnern (mit einer treibenden Rolle von Herrn und Frau Hasse), um die Beseitigung der Leicon-Blöcke zu erreichen und die Neustraße in eine Wohnstraße zu verwandeln. In der Mitte der Bühne mit Mikrofon Bürgermeister Mans (Gemeentearchief Kerkrade)

13.07.1991: Nach der offiziellen Ratifizierung der Partnerschaft zwischen Kerkrade und Herzogenrath (EURODE) wurde an der Ecke Neustraße-Pannesheiderstraat ein Denkmal von den Bürgermeistern von Kerkrade und Herzogenrath, Herrn Mans und Herrn Schultheis, enthüllt (Gemeentearchief Kerkrade)

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Zeitzeugenbericht

Zeitzeugen – Willi Beetz

 

Eine kleine Anekdote von Willi Beetz zu den Fronleichnam-Prozessionen, die auch zeitlich versetzt auf deutscher und niederländischer Straße entlang der Neustraße stattfanden:

An dem Fronleichnam-Feiertag war es sehr heiß und bei der Herzogenrather Prozession waren nicht genügend Träger für den Baldachin dabei, so dass der Herzogenrather Priester das Monstranz in der prallen Sonne vor sich hertragen musste. Sein Kerkrader Amtskollege beobachtete von der anderen Seite der Grenze wie die Kräfte den deutschen Priester immer mehr verließen und er immer schwächer wurde. Daraufhin sprang er kurzentschlossen über den Maschendrahtzaun, zerriss sich dabei noch seine Priesterrobe, und übernahm den Monstranz und trug ihn für seinen Priesterkollegen das letzte Stück weiter.