Das Internationale der Neustraße/Nieuwstraat

Ein weiteres Bild für das gute Verhältnis zwischen den deutschen und niederländischen Grenzbeamten. Auf dem Schild des Wachhauses steht „Wir sind Brüder, wie du siehst. Grenzschutz 1914“, September 1914 (Gemeentearchief Kerkrade)

Das „Internationale“ wurde der Neustraße schon früh in die Wiege gelegt.
Innerhalb eines halben Jahrhunderts waren die Kerkrader Neustraß-Bewohner erst Österreicher, dann Franzosen, danach Niederländer, kurz darauf Belgier und schließlich sowohl Niederländer als auch Deutsche.
Vor der Französischen Revolution gehörte Kerkrade zum Territorium der österreichischen Niederlande, danach wurde es Teil des französischen Kaiserreiches. Der Wiener Kongress 1815 und die anschließenden Verhandlungen in Aachen schufen im Bereich der Neustraße/Nieuwstraat eine besondere staatliche Situation.
Die Bürger auf der westlichen Straßenseite waren nun Bürger des neu geschaffenen Königreiches der Vereinigten Niederlande und Untertanen des Königs Willem I. aus dem ursprünglich deutschen Fürstenhaus Oranje Nassau.
Wie die meisten Bewohner der südlichen Gebiete dieses Königreiches waren die Kerkrader mit den neuen Regierungsmaßnahmen ihres Königs nicht zufrieden.
Die Unzufriedenheit der Bevölkerung entlud sich in der von Brüssel ausgehenden Revolution, die 1830 das neue Belgien schuf, eine Abspaltung der südlichen von den nördlichen Niederlanden.
Die Bürger der westlichen Straßenseite wurden jetzt Belgier und Untertanen des belgischen Königs Leopold I.
Die Umgebung Maastrichts blieb aber wie eine große Insel mitten in diesem belgischen Gebiet, weil der leitende militärische Kommandant mit seinen Soldaten gegen den Willen der Bevölkerung strikt weiter zum niederländischen Königshaus hielt. Nach fast zehn Jahren erzwangen insbesondere die Briten eine neue Gebietsaufteilung, die Kerkrade wieder dem niederländischen Hoheitsgebiet zuteilte.
Spezielle Regelungen banden jedoch das Herzogtum Limburg an den Deutschen Bund, was dessen Bewohner gleichzeitig zu Deutschen machte.

Peter Dinninghof

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